Blue Merle, Fawn, Black an Tan – Die Welt der Fellfarben

Blue Merle, Fawn, Black an Tan – Die Welt der Fellfarben

Fellfarben beim Hund: Das Thema Fellfarben beim Hund ist eine Wissenschaft für sich. Es gibt so viele verschiedene Farben, Schattierungen und Muster mit ganz speziellen Bezeichnungen. Heute wollen wir euch mal einen Einblick in den Farbdschungel unserer Fellfreunde geben. Los geht’s…

Alles entscheidend: Die Gene

So komplex wie die Farbwelt unserer Hunde ist auch die Genetik, die dahintersteckt. Die Kurzversion: Je nachdem, welche Gene ein Hund trägt, produzieren die Zellen die Farbstoffe Eumelanin oder Phäomelanin. Eumelanin ist für dunkle und Phäomelanin für blasse Fellfarben zuständig. Setzen sich die Farben aus beiden Farbstoffen zusammen, ist für das Erscheinungsbild des Hundes entscheidend, welche Gene der Eltern dominant, also überdeckend, oder rezessiv, also nicht in Erscheinung tretend, vererbt wurden.

Die Bedeutung der Fellfarbe – früher und heute 

Ursprünglich hatte die Farbe unserer Vierbeiner ganz praktische Funktionen. Sie diente der Tarnung, damit der Hund sich möglichst unbemerkt an seine Beute ranschleichen konnte. Außerdem waren sie damit den Wettereinflüssen ihres Lebensraumes angepasst. So schützt beispielsweise dunkles Fell Tiere in heißen Regionen vor UV-Strahlung.

Heutzutage ist die Fellfarbe vieler Hunde ein Ergebnis von Züchtungen. Der FCI (Fédération Cynologique Internationale) ist der größte kynologische Dachverband. Er legt die Rassestandards, also auch die Normen für die Fellfarben unserer Hunde fest. Die Kynologie ist übrigens die Lehre von Rassen, Zucht und Verhalten der Haushunde.

Weiß, blass oder dunkel?

Fellfarben beim Hund: Die klassischen Fellfarben sind Schwarz, Weiß, Braun und Rot.

Hunden mit weißem Fell fehlen die Farbpigmente. Ein Beispiel hierfür ist der West Highland White Terrier.

Bei Hunden mit blassem Fell wird der Farbton vom Phäomelanin bestimmt. Ist das Pigment normal vorhanden, erscheint das Fell rötlich und von Orange bis Mahagoni können alle Schattierungen auftreten. Diese Farben nennt man Fawn (englisch für Rehkitz). Beispiel: Die Deutsche Dogge. Ist das Pigment verdünnt, nennt sich die Farbe Sand. Der Verlauf zwischen den Fellfarben ist fließend. Auch blonde Hunde gehören zu dieser Kategorie.

Produziert der Hund den Farbstoff Eumelanin, erscheint sein Fell dunkel, also schwarz oder braun. Der typische schwarze Hund ist der Neufundländer. Ist das schwarze Pigment verdünnt, nennt man das Blau, es sieht aber wie ein glänzendes Grau aus. Typisch ist diese Färbung für den Weimaraner. Wenn das braune Pigment verblasst, wird das als Beige bezeichnet, sodass auch ein helles Beige noch zur Kategorie „dunkles Fell“ zählt. Ein Beispiel für den klassischen braunen Hund ist der Chocolat Labrador Retriever, typisch beige ist der Pitbull.

Bunte Hunde!

Es gibt zweifarbige (bicolor) und dreifarbige (tricolor) Fellzeichnungen. Border Collies sind häufig zweifarbig, Die typischen Tricolor sind Beagle und Berner Sennenhund.

Was ganz Besonderes: Der Merle-Faktor, den die meisten wohl mit dem Australien Shepherd verbinden. Hierunter versteht man ein fleckiges Fell, wobei einige Flecken die ursprüngliche Fellfarbe haben und andere aufgehellt sind. Die Färbung ist eher selten. Man unterscheidet die Farbschläge Blue Merle mit schwarzen und grauen Flecken und Red Merle mit roten und braunen Flecken. Mittlerweile gibt es vermehrt Rassen, die diesen Effekt aufweisen, beispielsweise Dackel, Doggen, Französische Bulldoggen, Chihuahuas, etc..

Der Merle Faktor, der so schön aussieht, birgt allerdings große Probleme: das Gen, das für die außergewöhnliche Fellfarbe zuständig ist, ist auch Träger vieler Krankheiten. Hat der Hund den Merle-Faktor nur auf einem Gen, ist das noch nicht so problematisch, es gibt trotzdem einige Hunde, die taub sind. Richtig schlimm wird es, wenn der Hund auf beiden Genen den Merle-Faktor hat. Es kann zu schlimmsten Behinderungen und zu Todgeburten kommen, wenn zwei Hunde, die miteinander verpaart werden, über einen Merle-Faktor verfügen. Man darf sich also zu recht fragen, ob es verantwortungsvoll ist, mit Merle-Trägern zu züchten.

Ein weiterer Sonderfall ist das so genannte Brindle, also gestromtes Fell. Hier ist die Grundfarbe, ähnlich wie beim Tiger, mit dünnen, dunklen Streifen durchzogen. Beispiele für Brindle sind Boxer und Bullterrier.

Natürliche gibt es auch Hunde mit gepunktetem Fell: Hier denkt wohl jeder sofort an Dalmatiner!

Rottweiler gehören in die Kategorie Lohfarben, auch Black an Tan genannt. Sie sind schwarz und haben braune oder rötliche Abzeichen an Kopf, Beinen und Bauch. Ist das Hauptfell braun, nennt man die Färbung Liver an Tan, bei grauen Hunden Blue an Tan.

Alles nur Fassade!

So vielfältig die Fellfarben unserer Hunde sind, so unterschiedlich und einzigartig sind auch ihre Charaktere. Und bei allen Schönheitsidealen… Letztlich zählt doch, was unter dem Plüsch steckt, oder?

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Foto: stock.adobe.com Nadine